Gesundheit

Ich hatte in der Vergangenheit gewisse Probleme mit meiner psychischen Gesundheit. Diese habe ich in meinen bisherigen Angestelltenverhältnissen zunächst erfolgreich verschwiegen. Nach vier Jahren Zusammenarbeit habe ich das Thema bei meinen letzten Arbeitgeben dann offen angesprochen.

Motivation für meine Offenenheit

Ab sofort gehe ich mit dem Thema aus mehreren Gründen offen(siv) um:

  1. Ich bin nicht länger bereit, Teile von mir zu verstecken und zu verheimlichen, nur um einen Vertrag als Arbeitskraft zu bekommen. Offenheit und Ehrlichkeit sind zwei wesentliche meiner Charaktereigenschaften. Außerdem möchte ich als Mensch in meiner Gesamtheit angenommen werden.
  2. Wenn auf meine Bedürfnisse Rücksicht genommen wird, kann ich erheblich mehr Energie in die Arbeit fließen lassen, anstatt sie in’s “Versteckspiel-Programm” zu investieren.
  3. Meine “Störung” (=Abweichung von der Norm), wie Ärzte sie gern nennen, hat gewisse Eigenschaften, die man auch als Vorteile nutzen kann. Ich selbst sehe mich eher als “Verrückten”, im positiven Sinn. So sehe ich mich sowieso, unabhängig von irgendwelchen Gesundheitsthemen ;-)

Hintergrundinformationen

Ich hatte 2007 eine sogenannte “Psychotische Episode” und Anfang 2018 gab es einen ähnlichen Zwischenfall. Diagnostisch könnte man das Thema irgendwo zwischen schizoaffektiver Verrücktheit und manisch-depressiver Verrücktheit einordnen. Aber diese Begriffe sind ohnehin nur Etiketten mit beschränktem praktischen Nutzen.

Von Februar 2018 bis März 2019 habe ich meine Zeit genutzt, um mich eingehend mit mir selbst sowie den zu Grunde liegenden Themen meiner Verrücktheit auseinander zu setzen, damit diese nicht mehr als Problem wirkt, sondern ich von ihren nützlichen Seiten gebrauch machen kann. Aktuell sieht es so aus, als ob ich damit recht erfolgreich bin.

Meine Bedürfnisse

Im Wesentlichen muss ich täglich aufmerksam mit mir selbst umgehen und darauf achten, dass ich keinem destruktiven Stress ausgesetzt bin. Zu letzterem zählen insbesondere Machtspiele, Intriegen, langweilige oder sinnarme Aufgaben, aber auch einfach eine zu hohe Arbeitsbelastung.

Das Wichtigste, was ich brauche, ist ein offener und verständnisvoller Auftraggeber bzw. Vorgesetzter, dem ich meine jeweils aktuellen Bedürfnisse kommunizieren kann und der entsprechend angemessen reagiert. Lösungsorientierung und Flexibilität sind hier die Zauberworte, mit denen wir gemeinsam einen ggf. auch ungewöhnlichen Weg finden können, so dass die Interessen beider Seiten befriedigt werden können.

Nutzen von Verrücktheit

Manische bzw. depressive Menschen haben bestimmte Verhaltenseigenschaften, die auch im Berufsleben von großem Nutzen sein können.

Menschen in manischer Stimmung sind zum Beispiel sehr optimistisch und voller Enthusiasmus, haben wenig Hemmungen und packen Dinge einfach voller Selbstvertrauen an, ohne lange zu überlegen. Damit ist diese Stimmung für kreative Brainstorming-Aktionen prädestiniert.

Menschen in depressiver Stimmung hingegen neigen zur Ängstlichkeit und Vorsicht, konzentrieren sich viel eher auf Fehler und Probleme, überlegen dreimal bevor sie etwas tun. Diese Fähigkeiten sind in der Qualitätskontrolle sowie in sicherheitsrelevanten Bereichen, wo es auf Zuverlässigkeit ankommt, sehr nützlich.

So wie man im Winter dicke Klamotten anzieht und im Sommer eher dünne, sollte man auch entsprechend der Stimmung mit Bedacht seine Aufgaben wählen. Bei mir sind die Symptome übrigens verhältnismäßig schwach ausgeprägt. Wie eingangs bereits erwähnt habe ich damit erfolgreich drei Angestelltenverhältnisse durchlebt.

Außerdem kann ich natürlich – auf Grund meiner vielseitigen Erfahrungen – andere Menschen in meinem Umfeld bzw. Kollegen, die ebenfalls Schwierigkeiten mit psychischen Themen haben, mit wertvollen Tipps und Hinweisen unterstützen.